Verschiedene Orangensorten, Zitronen, Pampelmusen, Pistazien, Mandeln, Olivenöl u.v.m. aus kleinbäuerlichem und biologischem Anbau
Albero del Paradiso ist eine Kooperative von Bio‐Kleinbäuer*innen in Sizilien, die seit einigen Jahren ihre Erzeugnisse direkt vermarktet. Diese direkten Vertriebswege und Netzwerke sind auch Teil des lokalen Kampfes gegen mafiöse Strukturen.
Seit Dezember 2015 organisiert die Orangen‐Initiative Solimondo ehrenamtlich während der Erntesaison der Zitrusfrüchte (Winter und Frühjahr) Bestellungen nach Berlin und Brandenburg.
Mit dieser Partnerschaft und dem Direktimport möchten wir…
- selbstorganisierte, agrarökologische und solidarische Wirtschaftsweisen stärken
- faire Preise für kleinbäuerliche Erzeuger*innen ermöglichen – unabhängig von der Macht des Großhandels
- zum Nachdenken über Alternativen des Handel(n)s im Alltag anregen
Entstehung
Eine wichtige Rolle in der Vorgeschichte der Orangen-Ini spielte der Kongress für SolidarischeÖkonomie, der im September 2015 in Berlin stattfand.
Der „Solikon“ bot die Möglichkeit zu Vernetzung und Austausch von Projekten, die ein alternatives Wirtschaften und Leben anstreben. Aus diesen Begegnungen sind zwischenzeitlich verschiedene Solihandelsprojekte entstanden. Aus Sizilien war auch ein Netzwerk landwirtschaftlicher Kooperativen vertreten, die ihrerseits alternative Wege der Direktvermarktung ihrer Erzeugnisse suchten. Mitte Dezember 2015 organisierten Salvatore Grigoli und Angelo Amore von der Kooperative „Albero del Paradiso“ einen Marktstand auf dem Chamisso- und Kollwitzplatz in Berlin. Dort konnten Vorbestellungen abgeholt, aber auch Erzeugnisse spontan gekauft werden. Leider blieben rund eine Tonne Zitrusfrüchte, Olivenöl, Mandeln, Pistazien und andere Produkte übrig.
Mit einem Transporter haben wir kurzerhand die Kartons in den Nachbarschaftsladen „Weltraum“ in Kreuzberg und an einen Abholort der Solawi Basta in Neukölln gebracht. Im Weltraum fand glücklicherweise an dem Abend ein Treffen zu solidarischem Direktimport statt vom Forum *Solidarische Ökonomie, dem Orga-Kreis des Solikon und der Wandelwoche. Spontan haben alle Anwesenden nicht nur tatkräftig mit geholfen, die Kisten in den Keller zu tragen, sondern auch die Werbetrommel über alle möglichen Kanäle gerührt. So ist es gemeinschaftlich gelungen, die Früchte und Trockenwaren über mail-Verteiler sowie gut vernetzte Einzelpersonen in ein paar Tagen zu verkaufen. Damit war der Grundstein für unsere heutige Initiative und Zusammenarbeit mit der Kooperative gelegt. Über eine Mailingliste haben wir die nächste Bestellung im Februar des Folgejahres organisiert, und so entwickelte sich eine stetig wachsende Bestellgemeinschaft. Dazu gehören sowohl Familien und WGs, als auch größere Bestellgruppen, wie Solawis, FoodCoops und Hausprojekte.
Während wir die vorbestellten Waren zunächst nur in dem kleinen Ladenlokal des „Weltraum“ verteilt haben, sind im Laufe der Zeit weitere Abholorte in Berlin und einer in Potsdam hinzugekommen. Dies ist möglich, weil auch dort sich engagierte Menschen um die Verteilung vor Ort kümmern. Das Sammeln der Bestellungen lief anfangs noch umständlich über Tabellen und Mails. Seit der Saison 2018/2019 nutzen wir die praktische open-source Bestellsoftware GASdotto, die ursprünglich für italiensche Einkaufsgemeinschaften (Gruppi di Acquisto Solidale – GAS) entwickelt wurde. In der Haupterntezeit der Zitrusfrüchte zwischen Dezember und April organisieren wir in der Regel 3 Lieferrunden, an denen sich zwischen 100 und 150 Einzelpersonen und Gruppen beteiligen. Gerade im tristen Berliner Winter freuen wir uns jedes Mal riesig auf die Paletten mit den farbenfrohen und erntefrischen Früchten.
Idee
Uns verbindet die Vision einer ökologischen und solidarischen „Ernährungswirtschaft“. Für uns bedeutet dies, kleinbäuerliche Betriebe zu unterstützen, ihnen faire Preise zu zahlen und einen direkten Austausch mit den Erzeuger*innen zu pflegen. Auf diese Weise ist eine Orange nicht eine x-beliebige Handelsware, sondern wird eine Frucht mit Herkunftsgeschichte und konkretem sozialen Kontext. Mit über den Großmarkt vertriebenen Zitrusfrüchten kann heute kein kleinbäuerlicher Betrieb in Sizilien mehr ein existenzsicherndes Auskommen erwirtschaften. Wer durch die Anbaugebiete fährt, sieht das Resultat: die Früchte verrotten ungeerntet. Unsere erste gemeinsame Reise nach Sizilien im Frühjahr 2018 hat uns darin bestärkt, daß wir hier etwas Sinnvolles tun. Bei dieser Reise haben wir die Erzeuger:innen persönlich getroffen und ihre Höfe besucht. Alle haben sich Zeit für uns und unsere vielen Fragen genommen, und uns zudem noch köstlich bewirtet.
Wir haben von Luigi Umana vorgeführt bekommen, wie Orangenbäume gepfropft werden und bei Alfio Panebianco, wie eine Orangensortiermaschine funktioniert. Wir wurden auch eingeladen zu einer Versammlung (riunione) am Hof von Vincenzo Vacante, wo es einen interessanten Austausch mit alten und neuen Mitgliedern der Kooperative gab über aktuelle Probleme und Visionen.
Im November 2019 kamen uns im Gegenzug Vertreter von Albero del Paradiso in Berlin besuchen. Gemeinsam haben wir Projekte des solidarischen Wirtschaftens in unserer Region aufgesucht und eine Diskussionsrunde
veranstaltet, bei der auch Menschen in unserer Bestellgruppe die Möglichkeit hatten einzelne Erzeuger kennenzulernen. Unsere Initiative ist nicht gewinnorientiert und wir arbeiten alle unentgeltlich. Wir möchten nicht einfach
nur Früchte verticken, sondern auch die Geschichte dahinter vermitteln. Wir begreifen uns als Teil der Solihandelsszene, der es darum geht, faire und gemeinschaftliche Formen des Wirtschaftens zu unterstützen und in die Tat
umzusetzen.

